FLENSBURG – Stadt in der Grenzregion

Sonderausstellungen: Perspektivwechsel 2020, Flensburg

Die Ausstellung nimmt den Jahrestag der Volksabstimmung von 1920 zum Ausgangpunkt, um die Menschen in der deutsch-dänischen Grenzregion nach ihren alltäglichen Berührungspunkten mit dieser Staatsgrenze zu befragen.

Die partizipativ angelegte Ausstellung zeigt, wie sich der Alltag mit der Grenze in den letzten 100 Jahren verändert hat und wie unterschiedlich die Perspektiven darauf sind. Die Ausstellung wächst, indem Besucher*innen ihre eigenen Erfahrungen mit dieser Grenze beisteuern können.

Staatsgrenzen können auch zu unüberwindbaren Mauern werden. Das hat die Migrationsbewegung 2015 gezeigt. Die Ausstellung spannt den Bogen von Flensburg über Europa hinaus und fragt nach den jetzigen und zukünftigen Funktionen und Bedeutungen von Grenzen.

Zum 100jährigen Grenzjubiläum entwickelten wir für die Stadt Flensburg eine dreiteilige Sonderausstellung, die an drei Standorten viele Facetten des Themas gestalterisch und didaktisch spannend präsentiert.

  • Museumsberg Flensburg (Hans-Christiansen-Haus)
  • Flensburger Schifffahrtsmuseum
  • Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig
  • Die Grenze ist an vielen Orten in und um Flensburg präsent. Wir haben einige solcher Alltagsorte ausgewählt und sie durch pointierte Fragen mit der Ausstellung verbunden.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

PROJEKTDETAILS
  • Auftraggeberin: Stadt Flensburg
  • Ausstellungsflächen: Museumberg ca. 500 m², Schifffahrtsmuseum ca. 300 m², Dänische Zentralbibliothek ca. 50 qm
  • Laufzeit: 14.3.2020–14.3.2021
LEISTUNGEN
  • Idee, Konzept, Gestaltung
  • Wissenschaftliche Recherchen und Ausstellungstexte
  • Ausstellungsgrafik
  • Medienkonzept
  • Ausführungsplanung
  • Produktionsbetreuung und Bauleitung
  • Kostenkontrolle

Mitarbeit: Lisa-Lotta Adomeit, Amelie Berking, Sabine Falk, Anat Frumkin, Nina Kersten, Fee Wedepohl, Julia Werner

Alle Ausstellungen verbindet ein gemeinsamer gestalterischer Auftritt. Zwei starke Farben treffen im Wechsel aufeinander, Orange und Pink. Wir haben losgelöst von den Nationalstaats- und Regionalfarben eine Kombination gewählt, die so wohl Nähe als auch Reibung ausdrückt.

Die Fragmente der Buchstaben u und o, abgeleitet vom einzigen Buchstaben, der sich im Städtenamen Flensbu(o)rg, im Sprachwechsel ändert bilden das 2-farbige Logo.

Es ist dynamisch und wirkt aus der Entfernung flirrend, die Farben vermischen sich miteinander. Konsequent wird es in zwei verschiedenen Farbvarianten eingesetzt und suggeriert Bewegung und Wechsel - Perspektivwechsel.

 

Das Ausstellungsystem aus schlichten Holzplatten im mehrschichtigen Wandaufbau kombiniert geschlossene Flächen mit Durchbrüchen, plakative Elemente mit tiefen Einsichten. Interaktiv gestaltete Raumsituationen visualisieren den jeweiligen thematischen Schwerpunkt der fünf Sonderausstellungsräume.

Foyer, Flur und Treppenhäuser haben eine wichtige verbindende Funktion. Das farbig gestaltete Entrée eröffnet mit der Kernfrage, ob eine Grenz-Linie Landschaft und Leute trennen kann, den nachfolgenden Diskurs in den Themenräumen. Die Verbindungswege über Flur und Treppenhäuser weiten den Blick von der regionalen Perspektive auf aktuelle Diskussionen von Grenzen und Fluchtbewegungen weltweit.

Die Durchlässigkeit der deutsch-dänischen Grenze ist für Menschen abhängig von ihrer Nationalität und ihrem Ausweisdokument sehr unterschiedlich. Die Ausstellung zeigt auch Portraits von Menschen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und Jemen. Als sie 2015 ihre Heimat wegen Krieg, Zerstörung, Verfolgung, Hunger oder Armut verlassen mussten, wurde Flensburg für sie auf ihrem Weg von ihrer Heimat über Mitteleuropa nach Skandinavienund nach Überquerung zahlreicher Grenzen zur vorläufigen Endstation und seitdem zu einemzumindest temporären Zuhause.

In den Themenräumen variieren farbige Muster. Sie interpretieren Grenze und das Nebeneinander, Gegeneinander und Miteinander auf beiden Seiten aus verschiedenen Perspektiven. Historische Zitate und aktuelle Videointerviews zeigen verschiedene individuelle Perspektiven auf die Grenze.

Es gibt nicht nur Pink und Orange
Die beiden Farben treten zwar in verschiedensten Zusammenstellungen dominant auf, lassen dadurch jedoch noch deutlicher andere hervortreten. Die Mischfarbe Rot verweist auf Gemeinsames, nicht mehr Trennbares, weiße Aussparungen lenken den Blick auf Ausgrenzung vermeintlich „Anderer“, im Nationalsozialismus.

Die Ausstellung wächst!
Ein wichtiger Fokus lag auf der Entwicklung interaktiver Formate, die Besucher*innen anregen über ihre eigenen Denkmuster, Fragen der Identität, Wünsche, Solidarität und Privilegien zu reflektieren.

Als Ausstellungsmacher*innen vertrauen wir der Expertise und der Kreativität unseres Publikums. Bewusst gibt es in der Ausstellung viele weitere Freiflächen zur Mitgestaltung.

Eine riesige zweifarbige Wand im letzten Raum mit klarer Grenzziehung lädt die Besucher*innen ein, die Grenze mit bunten Farbfolien und selbstgewählten Motiven zu überkleben und damit ein Statement zu setzten, dass es  bei der Diskussion um die Zukunft der Grenze immer um mehr als zwei Perspektiven geht.

Fotos: Amelie Berking, Sabine Falk, FRAMEGRABBER Medien

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Team

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Michael Teßmer
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